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Für Dein Leben ohne Essstörung.

Magersucht/Bulimie /Binge Eating: Rückfall - was nun?

Rund ein Drittel der Betroffenen schafft es, die Essstörung dauerhaft zu überwinden. Ein weiteres Drittel erleidet einen oder mehrere Rückfälle. Bei rund einem Viertel der Betroffenen nimmt die Krankheit einen langwierigen, komplizierten Verlauf. Rund 10 Prozent der Betroffenen sterben.

Von Rückfall lässt sich natürlich nur sprechen, wenn die Patientin vorher eine Zeitlang stabil war. Viele Betroffene werden aus Kliniken entlassen, wenn sie noch untergewichtig oder anderweitig symptomatisch sind. Hier kommt es nicht im eigentlichen Sinne zu einem Rückfall, sondern zu einer erneuten Verschlechterung des Krankheitsverlaufs. Die Rückfallquoten bei Magersucht sind deutlich höher als bei Bulimie oder Binge-Eating-Störung.

Besonders häufig sind Rückfälle innerhalb der ersten zwei Jahre nach Entlassung aus einer intensiven stationären oder teilstationären Therapie. Immer wieder berichten Patientinnen und Patienten, dass sie direkt im Anschluss an einen Klinikaufenthalt wieder rückfällig wurden, da sie mit der Selbstständigkeit und den Anforderungen ihres Alltags nach dem relativ geschützten Rahmen in der Klinik überfordert waren. (Aus diesem Grund haben wir am TCE die Stabilisierungsphase eingeführt, um die Rückkehr in den selbstständig organisierten Alltag optimal vorbereiten zu können.) Wer zwei Jahre nach einer intensiven Therapie noch immer stabil ist, hat gute Chancen, es auch zu bleiben. Allerdings können Rückfälle auch zu einem späteren Zeitpunkt im Lebenslauf auftreten, häufig ausgelöst durch Belastungssituationen wie z. B. eine Trennung, Verlust der Arbeit, Phasen der Einsamkeit oder Überforderung, aber auch körperliche Veränderungen wie z. B. eine Schwangerschaft.

Um Rückfällen vorzubeugen, erarbeiten wir am TCE einen sogenannten Notfallplan. Mit dessen Hilfe können Betroffene ihre besonderen Risikosituationen identifizieren und Strategien erarbeiten, wie sie diesen anders begegnen können, als auf die Essstörung zurückzugreifen. Wir unterstützen die Patientinnen und Patienten in der Gestaltung einer ausgewogenen Lebenssituation, schärfen ihre Wachsamkeit für Frühwarnzeichen oder üben mit ihnen, gedankliche und emotionale Muster zu durchbrechen, die Rückfälle begünstigen. Nicht zuletzt geht es darum, auch Rückfallbewältigung zu lernen, d. h. wie gehe ich damit um, wenn ich doch mal einen Rückfall hatte. Besonders wichtig ist es dann, sich nicht entmutigen zu lassen ("Jetzt war alles umsonst!"), sondern zeitnah wieder in die Mahlzeitenstruktur zurückzufinden, sich anderen anzuvertrauen und sich Unterstützung zu holen, dazu gehört natürlich auch professionelle Unterstützung. Es gibt die Möglichkeit, eine Rückfallanalyse durchzuführen und daraus Schritte abzuleiten, wie die Betroffene bzw. der Betroffene erneuten Rückfällen am besten vorbeugen kann.

Unseren ehemaligen Patientinnen und Patienten bieten wir die Teilnahme an unseren regelmäßigen Nachsorgeveranstaltungen an. Außerdem gibt es die Möglichkeit der tagklinischen Wiederauffrischung, falls die Symptomatik noch nicht so schwerwiegend ist, dass sie eine erneute reguläre Aufnahme erforderlich macht. Nicht zuletzt bieten wir mit unseren Erst- und Beratungsgesprächen jeder Patientin/jedem Patienten die Möglichkeit, sich eine diagnostische Einschätzung ihrer/seiner aktuellen Symptomatik und eine weitere Behandlungsempfehlung zu holen.