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Hilfe bei Anorexie, Bulimie oder Binge Eating: Welche Möglichkeiten gibt es?

Das Behandlungsangebot für Menschen mit Magersucht, Bulimie oder Binge Eating ist vielfältig. Einigkeit herrscht unter den Experten jedoch, dass eine speziell auf Essstörungen zugeschnittene Psychotherapie in jedem Fall die Methode der Wahl ist. In welchem Rahmen diese stattfinden kann, hängt jedoch von Schweregrad, Verlauf und Dauer der Essstörung ab.

Am Anfang eines jeden Behandlungsweges ist immer der Mut, sich helfen zu lassen. Eine erste Anlaufstelle, in der man Rat und Unterstützung für das weitere Vorgehen erhält, bieten die örtlichen Beratungsstellen. Gibt es am Heimatort keine Fachberatungsstelle für Essstörungen, kann es auch sinnvoll sein, bei der örtlichen Suchtberatungsstelle anzufragen. Gegebenenfalls geben auch die Münchner Fachberatungsstellen für Essstörungen Hilfestellung, wenn es darum geht, eine Beratungsstelle in Wohnortnähe zu finden. Alternativ können auch Haus- und Fachärzte oder niedergelassene Psychotherapeuten Ansprechpartner sein.

Danach gibt es im Wesentlichen vier Möglichkeiten: die ambulante Psychotherapie, eine stationäre Behandlung (in einer psychosomatischen Klinik), eine teilstationäre Behandlung (in einer Tagklinik) oder eine therapeutische Wohngruppe. Das TCE ist eine Kombination aus Tagklinik und therapeutischen Wohngruppen und verbindet somit zwei der vier genannten Behandlungsansätze.


Ambulante Psychotherapie

Bei einer ambulanten Psychotherapie bleibt die Patientin im gewohnten häuslichen Umfeld und begibt sich zu den vereinbarten Terminen zum Psychotherapeuten und zum Hausarzt zur körperlichen Untersuchung. Übliche Therapien dauern 25-50 Stunden, bei Bedarf kann die Therapie verlängert werden. Vorteil der ambulanten Therapie ist, dass die Patientin in ihrem gewohnten Umfeld bleibt und nicht den „sozialen Anschluss“ verliert. Alltagsbelastungen können direkt in der Therapie bearbeitet werden. Allerdings setzt eine ambulante Psychotherapie ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Selbstverantwortung voraus. Eine intensive medizinische Begleitbehandlung ist nur sehr eingeschränkt möglich und es gibt kaum intensive Unterstützung beim Essen.

Für Betroffene mit einer Anorexie ist eine ambulante Psychotherapie als Erstbehandlung nur dann ratsam, wenn die Magersucht noch nicht lange besteht, der Schweregrad der Erkrankung noch nicht allzu stark ausgeprägt ist, die Betroffenen eine ausreichende Veränderungsmotivation aufweisen und keine gravierenden medizinischen Risiken vorliegen. Wichtig ist in diesem Fall die regelmäßige Gewichtskontrolle, die vom Hausarzt oder Psychotherapeuten durchgeführt wird. Im ambulanten Rahmen sollte eine wöchentliche Gewichtszunahme von mindestens 300-500 g pro Woche erzielt werden. Kann dieses Ziel über einen Zeitraum von drei Monaten (bei Jugendlichen: sechs Wochen) nicht erreicht werden oder kommt es sogar zu einer Gewichtsabnahme, so muss der ambulante Psychotherapieversuch als gescheitert betrachtet werden. Eine größere Bedeutung hat die ambulante Psychotherapie für PatientInnen mit Magersucht als Anschlussbehandlung nach einer intensiven stationären oder teilstationären Behandlung, um die dort erreichten Erfolge zu stabilisieren und weiterzuführen.

Für PatientInnen mit Bulimie oder Binge-Eating-Störung kann eine ambulante Psychotherapie eine wirksame Hilfestellung sein. Die meisten Fälle von Bulimie oder Binge Eating können recht gut ambulant behandelt werden. Langjährige oder schwerwiegende Fälle mit erheblich entgleistem Essverhalten, erfolglose ambulante Therapieversuche oder ein Umfeld, das die Genesung erschwert, legen jedoch andere therapeutische Maßnahmen nahe.
Stationäre Behandlung
Wenn eine hohe körperliche Gefährdung besteht, zusätzliche psychische Störungen vorliegen, in einer ambulanten Psychotherapie über mehrere Wochen bzw. Monate keine Verbesserung erzielt werden kann oder schwer beeinflussbare Essgewohnheiten vorliegen, ist ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik für PatientInnen mit Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating-Störung die Methode der Wahl. Wichtig ist allerdings, dass es sich um eine Abteilung handelt, die ein spezifisches Behandlungsangebot für Essstörungen vorhält. Manchmal sind auch mehrere stationäre Aufenthalte erforderlich. Der Vorteil einer stationären Therapie ist die intensive Unterstützung in allen Bereichen, die dort gewährleistet ist (z.B. Hilfestellung beim Essen, Einzel- und Gruppentherapie, Körpertherapie, medizinische Betreuung, Familiengespräche). Auch die vorübergehende Distanz zu belastenden Situationen im Alltag kann der Genesung zugute kommen. Ein Problem stationärer Aufenthalte ist jedoch oft der fehlende Alltagsbezug, der insbesondere nach der Therapie bei der Rückkehr ins gewohnte Umfeld das Rückfallrisiko erhöhen kann.
Das TCE mit seiner Kombination aus Tagklinik und Therapeutischen Wohngruppen ist eine alltagsnahe Alternative zu einem stationären Aufenthalt. Es bietet die therapeutische Intensität eines Klinikaufenthaltes bei gleichzeitig deutlich erhöhter Alltagsnähe. Durch unser Phasenmodell wird zudem die Rückkehr in den selbstständig organisierten Alltag besonders gut vorbereitet. In der Stabilisierungsphase unserer Behandlung nehmen die 16- bis 25-Jährigen nur noch an einem deutlich reduzierten Therapieprogramm teil und wohnen weiterhin in der Therapeutischen Wohngruppe, nehmen ansonsten aber den Schulbesuch, das Studium oder ihre berufliche Tätigkeit wieder auf. So lernen sie, die in der Intensivphase erlernten Strategien in einem alltagsnahen Umfeld anzuwenden und einzuüben.


Teilstationäre (tagklinische) Behandlung

Bei einer teilstationären Behandlung nehmen die PatientInnen meist fünf Tage pro Woche jeweils von morgens bis zum späten Nachmittag am intensiven Behandlungsprogramm der Tagklinik teil. Die Abende und zumeist auch die Wochenenden verbringen sie zuhause. Tagkliniken zur Behandlung von Essstörungen bieten in der Regel ein sehr intensives Behandlungsprogramm mit sehr guter medizinischer und ernährungstherapeutischer Unterstützung. Gleichzeitig wird durch die regelmäßige Rückkehr in das gewohnte Umfeld die Alltagsbewältigung unterstützt und gefördert. Dies birgt jedoch auch die Gefahr der Überforderung, falls die in der Tagklinik erlernten Strategien im Alltag nicht ausreichend sicher angewendet werden können. Aus diesem Grund kombinieren wir am TCE die tagklinische Behandlung mit dem Wohnen in Therapeutischen Wohngruppen (für die 16- bis 25-Jährigen) oder dem intensiven Einbezug der Eltern in die Behandlung (für die 12- bis 15-Jährigen). Dadurch erhalten unsere PatientInnen auch im Alltag die notwendige Unterstützung, die bei einer tagklinischen Therapie sonst nicht in diesem Maße gegeben ist. Geeignet sind tagklinische Behandlungsprogramme für alle Arten von Essstörungen.


Therapeutische Wohngruppe

Jugendliche und junge Erwachsene können nach einem Klinikaufenthalt von einer Therapeutischen Wohngruppe profitieren, wenn die Rückkehr in den gewohnten Alltag und das familiäre Umfeld noch eine Überforderung darstellt und mit einer erneuten Zunahme der Essstörungssymptomatik gerechnet werden muss. Es ist jedoch in jedem Fall zusätzlich eine begleitende Psychotherapie erforderlich. Als alleinige Therapiemaßnahme ohne zusätzliche oder vorgeschaltete teilstationäre oder stationäre Behandlung ist eine Wohngruppe meistens nicht ausreichend.
Die Wohngruppen am TCE sind eine Ergänzung zum tagklinischen Angebot. Die Kombination aus Tagklinik und Therapeutischen Wohngruppen kann eine stationäre Psychotherapie gänzlich ersetzen. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit eines alltagsnahen Übungsfeldes mit wachsender Selbstverantwortung, das optimal auf die Rückkehr in den selbständig organisierten Alltag vorbereitet.
Weitere Hinweise und Informationen bietet die Patientenleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen (DGESS), auch erhältlich als Buch: Zeeck, A. & Herpertz, S. (Hrsg.): Diagnostik und Behandlung von Essstörungen. Ratgeber für Patienten und Angehörige. Patientenleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen (DGESS). Springer-Verlag..