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Anorexia nervosa – die Magersucht

Die Wahrscheinlichkeit, eine Anorexie zu entwickeln, liegt für junge Erwachsene bei 0,5 bis ein Prozent. Überwiegend Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren erkranken an Magersucht. Nur jeder elfte Betroffene ist männlich. (Bei jungen Männern wird das Krankheitsbild auch Manorexie genannt.)
Einstieg in die Krankheit ist häufig eine Diät, die nicht beendet, sondern mit der Zeit immer restriktiver wird. Die Betroffenen schränken ihre Nahrungsauswahl deutlich ein, verzichten insbesondere auf fett- und kohlenhydrathaltige Lebensmittel. Manchmal sind ausgewählte Obst- und Gemüsesorten (z. B. Äpfel oder Gurken) das Einzige, was zuletzt noch gegessen wird. Oft haben die Betroffenen selbst dann noch Angst davor, zu dick zu sein oder zu werden, wenn sie bereits krankhaft dünn und untergewichtig sind.

Was Fachleute unter einer Magersucht (Anorexia nervosa) verstehen, ist genau definiert. Im Wesentlichen gelten folgende Merkmale (Diagnosekriterien nach DSM-V, gekürzt):

a)   ein restriktives Essverhalten, das zu einem Gewicht unterhalb der Mindestgrenze des Normalgewichts führt (BMI < 18,5 bzw. < 25. Altersperzentile bei Minderjährigen)
b)  eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme bzw. vor dem Dickwerden oder Maßnahmen, die eine Gewichtszunahme verhindern, wie z. B. Fasten, Erbrechen, Abführmittelmissbrauch oder exzessive Bewegung
c)   eine gestörte Wahrnehmung der eigenen Figur oder des eigenen Gewichts, eine übermäßige Abhängigkeit des Selbstwertgefühls von Figur und Gewicht oder mangelnde Einsicht in den Schweregrad des eigenen Untergewichts.

Unterformen der Magersucht

Fachleute unterscheiden diese zwei Formen:

a)  Restriktiver Typ der Anorexia nervosa
Der Gewichtsverlust wird durch Essensverweigerung, Vermeidung von kalorienreichen Speisen und durch vermehrte Bewegung (Sport) erreicht.
b)  Binge-purging-Typ der Anorexia nervosa
Die Betroffenen versuchen, ihr Gewicht durch Erbrechen oder den Gebrauch von Abführmitteln und entwässernden Medikamenten weiter zu reduzieren.
Häufig treten bei diesem Typus auch Essanfälle auf.

Für Betroffene beider Subtypen ist ein großer Teil des Tages damit ausgefüllt, das Leben so zu organisieren, dass die Nahrungsverweigerung nicht auffällt. Sport und Bewegung nehmen viel Raum ein. Der Alltag wird dadurch nicht selten sehr kompliziert, was zum Rückzug von der Familie und den Freunden und zur sozialen Vereinsamung führen kann.
Magersüchtigen wird oft Appetitlosigkeit und Ekel vor Essen unterstellt. Das ist aber nicht der Fall. Die Beschäftigung mit Essen, das Träumen von köstlichen Mahlzeiten, das Lesen von Kochbüchern beherrschen die Gedankenwelt der Magersüchtigen ebenso wie Überlegungen, wo und was an Nahrung noch eingespart werden kann. Nicht selten kochen magersüchtige Mädchen gerne und gut für die Familie, nehmen unter einem Vorwand aber nicht an den gemeinsamen Mahlzeiten teil. Oder aber sie geben vor, zu kauen und zu essen, spucken das Essen aber heimlich aus.
Die Überwindung der eigenen Hungergefühle erleben Menschen mit Anorexie als Leistung. Diese Leistung stärkt das Selbstbewusstsein und vermittelt das Gefühl, etwas Besonderes zu können und zu sein.