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Bulimia nervosa – die Ess-Brech-Sucht

Die Wahrscheinlichkeit, an Bulimie zu erkranken, liegt für Frauen im Alter von 15 bis 35 Jahren bei ein bis drei Prozent. Damit kommt die Bulimia nervosa ca. dreimal häufiger vor als die Magersucht. Das häufigste Erkrankungsalter liegt zwischen 16 und 19 Jahren. An Bulimie erkranken zehnmal mehr Frauen als Männer. Berufsgruppen, bei denen es auf ein geringes Körpergewicht ankommt, sind besonders gefährdet. Dazu gehören Models, Skispringer und Tänzer.

Bei manchen Betroffenen wechseln sich Phasen der Magersucht mit Phasen von Bulimie ab. Auch kann dem Krankheitsbild der Bulimia nervosa eine Phase von Anorexie vorangehen.

Was Fachleute unter einer Ess-Brech-Störung (Bulimia nervosa) verstehen, ist genau definiert. Im Wesentlichen gelten folgende Merkmale (Diagnosekriterien nach DSM-IV, gekürzt):

a)   wiederkehrende Episoden von Essanfällen, bei denen ungewöhnlich große Nahrungsmengen in einem umschriebenen Zeitraum verzehrt werden und die Betroffenen einen Kontrollverlust erleben, d. h. den Essanfall nicht mehr stoppen können und keinen Einfluss mehr darauf haben, was und wie viel sie essen
b)  wiederkehrende kompensatorische Maßnahmen, um eine Gewichtszunahme zu verhindern, z. B. selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Entwässerungsmitteln oder sonstigen Medikamenten, Fasten oder exzessive Bewegung
c)   sowohl die Essanfälle als auch die gegenregulierenden Maßnahmen treten mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten auf
d)  eine übermäßige Abhängigkeit des Selbstwertgefühls von Figur und Gewicht
e)   es liegt nicht gleichzeitig eine Magersucht vor

Unterformen der Bulimie

Fachleute unterscheiden diese zwei Formen:

a)  Purging-Typ der Bulimia nervosa
Hier soll nach Heißhungerattacken die befürchtete Gewichtszunahme durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln und entwässernden Medikamenten vermieden werden.
b)  Non-purging-Typ der Bulimia nervosa
Nach Heißhungerattacken werden zur Gewichtsregulierung ausschließlich striktes Fasten und gesteigerte Bewegung eingesetzt.
 
Beide Subtypen sind selten über- oder untergewichtig, empfinden sich aber bei normalem Gewicht als „zu dick“. Die Heißhungerattacken werden oft durch Stress, Ängste, Unzufriedenheit oder Selbstzweifel ausgelöst. Während des Essanfalls stopfen die Betroffenen wahllos große Nahrungsmengen in sich hinein, fühlen sich dabei oft wie „fremdgesteuert“. Meist folgen auf diesen Kontrollverlust Schuldgefühle, Selbsthass und Angst vor Gewichtszunahme. Das Völlegefühl kann als extrem unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden werden, das herbeigeführte Erbrechen verschafft dann Erleichterung.