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Für Dein Leben ohne Essstörung.

TCE-Blog

02. August 2015 · Erfahrungsbericht

Essen im Urlaub

Essen gehen, meine Mahlzeiten flexibel gestalten, spontan sein, das bekomme ich mittlerweile ganz gut hin, sodass ich mich auch wohl in meinem Körper fühle. Aber in einem ungewohnten Umfeld bzw. im Urlaub ist das dann doch noch mal etwas anderes. Viele meiner Reisen wurden bisher von der Essstörung beeinträchtigt. Es beginnt bereits mit der Anreise, man steht zu einer ungewohnten Zeit auf, ist angespannt bzw. nimmt den Stress seiner Mitreisenden wahr. Man muss oft viele Stunden am Stück sitzen, egal ob im Auto, Bus, Zug oder Flugzeug. Das sind alles zusätzliche Belastungsfaktoren, die oft dazu triggern, den Stress durch das Essverhalten zu kompensieren. Teilweise kommt hinzu, dass man nicht weiß, was einen erwartet, zum Beispiel wenn keine Verpflegung gebucht ist. Parallel hat man das gesellschaftliche Klischeedenken im Kopf, dass man sich ja im Urlaub auch mal mehr gönnen darf und es sich so richtig gut gehen lassen soll, was vor allem auf das Essen bezogen wird.

Meine Erfahrung ist, dass man am besten bei seiner gewohnten Tagesstruktur bleiben sollte. Das Vorhaben, im Urlaub „mehr“ (was auch immer das für jeden Einzelnen bedeutet) zu essen bzw. es mit dem Essen nicht so streng zu nehmen, ist meiner Erfahrung nach Schwachsinn. Daher lautet für mich das A und O im Urlaub: Ich möchte mich (vor allem) im Urlaub wohl fühlen und deshalb esse ich so, wie ich weiß, dass ich mich wohl fühle. Wenn sich meine Mitreisenden zweimal am Tag den Bauch vollschlagen, kann ich für mich vielleicht auch zwei größere Mahlzeiten einplanen, um das Buffet auszunutzen. Trotzdem kann ich während des Tages meine Zwischenmahlzeiten einnehmen. Die TCE-Essstruktur gibt da alle Freiräume und Spielmöglichkeiten. Wem es mehr Sicherheit gibt, der hält sich exakt an diese Struktur. Warum sollte ich denn mein Essverhalten im Urlaub ändern?

Grundsätzlich gibt es vor Ort immer Einkaufsmöglichkeiten, sodass man sich mit frischem Obst und anderen Kleinigkeiten eindecken kann. Ich nehme zum Beispiel immer einen Vorrat an Zwischen- und Kaffeemahlzeiten mit, hier eignen sich am besten Riegel oder abgepackte Kekse. Jedes Land hat seine eigenen Spezialitäten, was für den ein oder anderen auch nicht ganz einfach sein kann. Bei meinem letzten Urlaub habe ich mir daher schon im Vorhinein Gedanken gemacht, was ich probieren möchte, und das dann auch getan. Das ist doch ein viel schöneres Gefühl, was Neues probiert zu haben und sonst auf sich geachtet zu haben, als extrem einzusparen oder den ganzen Urlaub mit einem schlechten Gewissen wegen dem Essen zu verbringen. Auch war ich öfter mal spontan bei meiner Auswahl und hab oft nicht gewusst, was jetzt auf meinen Teller kommen wird. Aber genau solche Erfahrungen motivieren einen danach umso mehr.
Jeder ist anders und was zu einem passt, bekommt man vielleicht auch erst durch eigene Erfahrungen und Ausprobieren heraus. Man sollte auf jeden Fall vor allem in einer fremden Umgebung auf die eigenen Bedürfnisse achten und für sich einstehen. Nur so nimmt man auch das neue Land und alles außen herum richtig wahr und verliert den Scheuklappenblick nur für das Essen.
So steht meiner nächsten Reise mit vielen neuen Eindrücken, egal welcher Art, nichts mehr im Wege!!

Bildnachweis: istockphoto.com/wundervisuals

Über die Autorin

Anonym, 21 Jahre, ehemalige Patientin im TCE