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Für Dein Leben ohne Essstörung.

TCE-Blog

15. August 2018 · Erfahrungsbericht

Soll ich, soll ich nicht ...

Die Entscheidung für eine intensive Therapie ist nicht immer leicht. Es ist ein beachtlicher Schritt, für eine Weile die vertraute Umgebung zu verlassen, die Schule oder Ausbildung zu unterbrechen und in eine WG einzuziehen, um sich in Ruhe und mit der nötigen Konzentration der eigenen Genesung zu widmen. Für viele Betroffene mit Magersucht (Anorexie), Bulimie oder Binge Eating erscheint dieser Schritt zunächst unvorstellbar groß:

„Kann es nicht einfacher gehen? Ist nicht vielleicht auch eine ambulante Therapie ausreichend, bei der ich nur ein- oder zweimal pro Woche zu einem Gesprächstermin oder einer Gruppe erscheinen muss? Tut es nicht auch ein Kurzaufenthalt in einer Klinik, sechs oder acht Wochen lang? Muss ich wirklich die Schule unterbrechen, um eine Therapie zu machen?"

Diese und ähnliche Fragen stellen sich die Betroffenen oft, wenn es um die Entscheidung für oder gegen eine Therapie im TCE - Therapie-Centrumf für Essstörungen geht.
Um Euch die Entscheidung ein wenig zu erleichtern, möchten wir Euch heute ein paar Gedanken einer unserer Patientinnen zu diesen Ängsten und Vorbehalten mit auf den Weg geben. Weitere, noch individuellere Antworten auf Eure Fragen erhaltet Ihr bei unserem persönlichen Erstgespräch oder an einem unserer Info-Abende.

Ich habe immer gedacht, es sei nicht so schlimm, ich bin nicht so untergewichtig, dass es zu gefährlich wird, und bekomme es alleine hin. Ich könnte alleine auch noch viel mehr kontrollieren, selber entscheiden und wäre freier in meiner Zeitgestaltung.
Ich hatte nicht einmal eingesehen, dass ich eine ambulante Therapie bräuchte: „Ich bin doch nicht psycho!", habe ich mir immer gedacht. Und ja, ich habe es geschafft, mit regelmäßiger Gewichtskontrolle zumindest wieder zuzunehmen und mein Gewicht mehr oder weniger zu halten, so dass es nie wieder „so dramatisch" wurde.

Halt! Vielleicht muss ich ehrlicherweise hinzufügen, ich glaubte, die Essstörung schon hinter mich gebracht zu haben, aber viel Zeit verbrachte ich, ohne mir dessen bewusst zu sein, trotzdem mit all den essgestörten Themen und Gedanken. Fünf Jahre dauerte es, bis ich wieder einen sehr starken Rückfall bekam und mir bewusst wurde, so schwer es mir auch fiel, ich müsste Hilfe annehmen, eine Therapie machen, damit ich mich nicht mein Leben lang durch diese Krankheit einschränke.

Seit dem Moment dieser Erkenntnis rate ich mir und jedem anderen, dem ich es raten kann, sich Hilfe zu holen, wenn es Probleme gibt, die einen überfluten, bevor es zu spät ist, auch wenn man meistens das Gefühl hat, noch alles im Griff zu haben.

 

 

Bildnachweis: Adobe Stock

Über die Autorin

Anonym, 20 Jahre, TCE-Patientin in der Stabilisierungsphase