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Wie kann man Essstörungen wie Magersucht und Bulimie vorbeugen?

Essstörungen lassen sich nicht auf eine Ursache zurückführen, häufig kommen mehrere Aspekte zusammen. Unterschiedliche, sich gegenseitig begünstigende Faktoren sind etwa in der Entwicklung, der familiären Umgebung und dem frühen sozialen Umfeld zu suchen. Jeder Punkt für sich genommen hätte wahrscheinlich keine weiteren Auswirkungen. In Kombination mit biologischen Faktoren, die das Entstehungsrisiko einer Essstörung deutlich erhöhen, und individuellen Faktoren wie einer gestörten Körperwahrnehmung, einem mangelnden Selbstwertgefühl oder perfektionistischen Leistungsstandards können diese Faktoren jedoch Auslöser einer Essstörung sein.

Die Vorbeugung beginnt bereits in jungen Jahren: Kinder, die ein gesundes Selbstbewusstsein und ein positives Körpergefühl entwickeln und in ihrem Elternhaus eine ausgewogene Ernährung mit gemeinsamen Mahlzeiten kennenlernen, sind seltener von Essstörungen betroffen. Auch ein lösungsorientierter Umgang der Eltern und des Umfeldes mit Problemen prägt Kinder und kann die Weichen für ein gesundes Essverhalten stellen, wenn sie lernen, mit Konflikten umzugehen.

Insbesondere in der Pubertät setzen sich Jugendliche intensiv mit ihrem Körper und ihrer Persönlichkeit auseinander. Das Gefühl, fehlerhaft zu sein, nicht um ihrer selbst willen geliebt zu werden, den Ansprüchen des sozialen Umfeldes und der Schönheitsideale nicht zu genügen, kann eine Essstörung begünstigen. Jugendliche, die gelernt haben, sich zu respektieren, mit ihren Emotionen umzugehen und sich gegebenenfalls von utopischen oder ungesunden Idealen abzugrenzen, sind in der Regel weitaus weniger gefährdet, an einer Essstörung zu erkranken.

Es sollte folglich Ziel der Eltern, Erzieher, Lehrer und auch des sozialen Umfeldes sein, die richtigen Werte zu vermitteln. Ebenso kann das frühzeitige Erkennen von ersten Alarmzeichen bestenfalls verhindern, dass sich eine Essstörung wie Magersucht und Bulimie manifestieren kann. Das bezieht sich einerseits auf das Verhalten der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen selbst, andererseits auf den Umgang Dritter mit ihnen: Wer nur Anerkennung erhält, wenn er Leistung erbringt oder aufgrund seines Aussehens, kann eine gestörte Selbstwahrnehmung entwickeln. Auch Ausgrenzung, Hänseleien und Mobbing wirken sich ungünstig auf die Selbstwertentwicklung aus. Daher gilt es, Kinder für einen respektvollen Umgang miteinander zu sensibilisieren.

Hinsichtlich der Früherkennung ist neben dem Essverhalten und der Lebensführung das Bewegungsverhalten zu beobachten. So können extreme sportliche Betätigungen in Kombination mit einer Diät oder der strikten Verweigerung von Lebensmitteln, die Fett oder Kohlenhydrate enthalten, einer Magersucht vorausgehen. Ähnlich verhält es sich bei einer Bulimie, die zudem mit Heißhungerattacken einhergeht. Diese finden oft heimlich statt. Charakteristisch ist das anschließende Erbrechen. Weitere Anzeichen können ein großer Verbrauch von Nahrungsmitteln bzw. unerklärlich schwindende Lebensmittelvorräte sein.

Es lohnt sich, frühzeitig einen Experten aufzusuchen, um eventuell auffällige Beobachtungen zu schildern und sich beraten zu lassen. Ebenso bieten sich Gespräche mit dem sozialen Umfeld und dem Betroffenen an, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Eine sich anbahnende Essstörung ist durch geeignete Therapieprogramme wesentlich leichter zu regulieren als eine später daraus resultierende Magersucht oder Bulimie. Die Therapie von Essstörungen zielt darauf ab, Defizite im Selbstwertgefühl, dem Körperbewusstsein, der Emotionsregulation und der Konfliktfähigkeit zu beheben.