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Für Dein Leben ohne Essstörung.

TCE-Blog

19. Juni 2019 · Erfahrungsbericht

Das TCE-Jugendkonzept - Gemeinschaft und Herzlichkeit als Rezept gegen Essstörungen

Darf ich vorstellen: das TCE-Jugendkonzept – oder wie unser Kollege, Kinder- und Jugendarzt Dr. Tim Bodeewes, den wir liebevoll „Dr. B." nennen, zu sagen pflegt: eine „total coole Einrichtung". Wäre ich Patientin, würde ich gerne hier behandelt werden.

Warum? Weil ich das TCE-Jugendkonzept mit Gemeinschaft und Herzlichkeit verbinde. Da gibt es die Gemeinschaft der acht Mädels (Jungs sind aber auch willkommen), die die Patientengruppe bilden. Immer wieder haben mir Patientinnen berichtet, dass es ihnen zwar schwer gefallen sei, am Wochenende zu essen, ihnen aber der Gedanke, „die anderen essen ja auch gerade dasselbe", geholfen habe.

Es ist toll zu sehen, wie die Patientinnen sich auch unter der Woche gegenseitig unterstützen, den Schleier der Essstörung beiseitezuschieben, damit ihre wahre Ausstrahlung und Persönlichkeit wieder zum Vorschein kommen kann. Sei es durch gemeinsames Rumalbern, durch Trösten in schwierigen Situationen oder durch die Unterstützung in den vermeintlich kleinen Entscheidungen gegen die Essstörung im Therapiealltag. Die Gemeinschaft des „Teams" – also der Schwestern, des Arztes, der Ernährungstherapeutin, der Kunsttherapeutin und der Psychologinnen - ist ebenfalls wichtig.

Auch wir müssen uns gegenseitig unterstützen, um gute Arbeit leisten zu können. Den Satz, „Das muss ich erstmal im Team besprechen", kennen sowohl die Eltern als auch die Patientinnen zur Genüge. Auch die Eltern bilden eine Gemeinschaft und unterstützen sich einmal pro Woche in der Angehörigengruppe gegenseitig. Jeden Freitag bekommen die Eltern zum Abschluss dort die immer gleiche Frage nach den eigenen „Ressourcen" (z. B. Lesen, Spazieren gehen, Rennradfahren, Skat spielen) fürs Wochenende gestellt und finden häufig nach einer argwöhnischen Phase irgendwann Freude an diesem Ritual.

Die Herzlichkeit sehe ich in den vielen kleinen Dingen des Alltags. Im „gruseligen" Aufnahmeritual für neue Patientinnen zum Beispiel – natürlich kann ich hier nicht mehr verraten. Oder an Geburtstagen, wenn jeder Jubilar (egal ob alt oder jung) aus vollem Hals im Kanon besungen wird.
Und mindestens einmal in der Blockphase spielen wir „Ätsch-Bätsch" – ein Spiel, bei dem man den anderen „tötet", indem man ihm etwas in die Hand gibt und „Ätsch-Bätsch" sagt.
Das führt teilweise zu lustigen Dialogen wie: „Lebst du noch?" „Ja, ich habe heute Morgen Dr. B. getötet" „Haha, sehr gut!".
Blöde Sprüche und kleine Witze hier und da gehören auch dazu.

Und natürlich feiern wir auch den Abschied aus dem TCE mit Luftballons und nicht selten auch mit ein paar Tränchen. Beim Sommerfest kommen dann viele gerne wieder ins TCE, um davon zu erzählen, wie es ihnen geht. Am Ende bilden alle gemeinsam eine große Gemeinschaft beim Kampf gegen die Essstörung, der durch so viel Zusammenhalt und Herzlichkeit Angst und Bange wird.

Über die Autorin

Nora Morgenbesser ist Psychologische Psychotherapeutin und seit 2013 am TCE tätig. Nach dem Studium der Psychologie in Konstanz hat sie ein Psychotherapie-Masterstudium an der Uni Bern und die Ausbildung zur approbierten Verhaltenstherapeutin in München absolviert. In ihrer Arbeit als Einzeltherapeutin und Familientherapeutin versucht sie die Bedürfnisse, die hinter der Essstörung verborgen liegen, in den Fokus zu rücken. Als Körpertherapeutin fördert sie das Empfinden, Fühlen und Spüren und eine akzeptierende Haltung zum eigenen Körper. Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit ihrer Familie, mit Freunden, in den Bergen (besonders gerne zum Skifahren) oder mit ihren Lieblingsserien.