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Für Dein Leben ohne Essstörung.

TCE-Blog

24. Oktober 2018 · Erfahrungsbericht

Ihr helft uns besser zu werden!

In unseren Rückmeldebögen werden wir natürlich nicht nur gelobt. Die Patienten äußern auch Kritik oder Verbesserungsvorschläge. Auch auf diese möchten wir gerne eingehen und Euch zudem berichten, welche Anregungen wir mittlerweile aufgegriffen und umgesetzt haben.

PHASENMODELL
„Das 'erweiterte Selbstmanagement' für Patienten, die lange da sind und noch keinen BMI 20 haben, obwohl sie gut zunehmen, sollte noch ausgebaut werden."
Wir haben mittlerweile das Selbstmanagement am Übergang zwischen Intensiv- und Stabilisierungsphase generell noch einmal stärker strukturiert und ausgeweitet, um die Alltagserprobung besser vorzubereiten und den Übergang in die Selbstständigkeit behutsamer abzustufen. Dies kommt auch jenen Patienten zugute, die sehr lange bei uns sind.

THERAPIEBAUSTEINE
„Ein gemeinsames ‚Essen gehen' mit den Ernährungstherapeuten hätte ich cool gefunden."
Das findet in der Stabilisierungsphase mittlerweile in unregelmäßigen Abständen statt.

„Ernährungstherapeutinnen sollten sich beim Portionieren besser einig sein."
Diese Rückmeldung können wir gut verstehen, denn das kann schnell ein Gefühl von Unsicherheit vermitteln. Darum machen auch unsere Ernährungstherapeutinnen immer wieder einen „kleinen Portionierworkshop". Und dennoch ist nicht jeder Löffel perfekt gleich, weder bei uns, noch bei den Patienten – und das ist auch völlig normal und stimmig.

„Mehr Sporttherapie, wo wir wieder eine positive Beziehung zum Sport aufbauen können (Bewegungstherapie/ Eurythmie/zusammen joggen...)"
Seit rund einem Jahr gibt es am TCE eine eigene Bewegungstherapie in der Gruppe. Diese legt den Schwerpunkt auf die Freude an der Bewegung. Außerdem begleiten unsere beiden Bewegungstherapeutinnen, Frau Hermann und Frau Hönigschmid, die Patientinnen individuell bei der Suche nach geeigneten Sportarten. Für normalgewichtige Patienten mit Bulimie und Binge-Eating-Störung finden auch individuelle Bewegungsangebote in der Kleingruppe statt. (Geplant ist demnächst ein eigener Blogbeitrag, um dieses Angebot eigens vorzustellen.)

„Mehr Körpertherapie, auch mehr Körpereinzel!" – „Mehr Körpertherapie (evtl. eine Art ‚Hausaufgabe')" – „Mehr Körperarbeit/Körpertherapie, insgesamt mehr Beschäftigung mit dem Körper (und dazu verpflichtet werden)."
Wir haben mittlerweile auch in der Stabilisierungsphase eine Körpertherapiesitzung pro Monat eingeführt. Zudem legen wir im Selbstmanagement, also am Übergang von der Intensiv- in die Stabilisierungsphase, besonderen Wert auf den Baustein Körpertherapie und verpflichten unsere Patientinnen auch, sich in Kleingruppen körpertherapeutischen Übungen zu widmen. Körpereinzel können bei Bedarf jederzeit im Rahmen der Einzeltherapie durchgeführt werden. Unsere neu eingeführte Bewegungstherapie und Ressourcenworkshops u.a. auf den Grundlagen des Yoga oder mit Übungen für „Atem – Körper – Stimme" ergänzen das Angebot.

HAUSORDNUNG UND REGELN
„Evtl. mehr Flexibilität! Beispielsweise, dass man nicht schon mittwochs eine Beurlaubung beantragen muss." – „Es sollte noch strenger auf die Einhaltung der Regeln geachtet werden." – „Mehr Lockerheit bei Regelverstößen!" – „Die ‚Strenge' in der Gruppe fehlt."
Im Umgang mit unserer Hausordnung beobachten wir im Laufe der Jahre bei den kritischen Rückmeldungen immer wieder dasselbe Muster: Den einen sind wir zu streng, den anderen nicht streng genug. Das ist übrigens auch eine Dynamik, die sich im Team wiederfindet: Die einen plädieren für mehr Milde, die anderen für mehr Strenge. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass wir im Großen und Ganzen die goldene Mitte treffen.
Im Zusammenleben so vieler Menschen, insbesondere bei Menschen, die an einer schweren Krankheit leiden, braucht es Regeln, um den gemeinsamen Alltag zu erleichtern und den Genesungsprozess zu unterstützen. Unsere Regeln basieren auf dem Jugendschutzgesetz, den Vorgaben der Krankenkasse und unserer langjährigen therapeutischen Erfahrung. Wir überprüfen sie regelmäßig im Hinblick auf ihre Tauglichkeit und greifen dabei immer wieder Anregungen und Rückmeldungen unserer Patientinnen auf.

GRUPPENZUSAMMENSETZUNG
„Mehr Therapieältere aufnehmen, verstärkt auf das Alter achten, bei mehrheitlich 16-Jährigen gerät das TCE-Konzept an seine Grenzen."
Die Altersverteilung unserer Patienten unterliegt übers Jahr gesehen immer wieder Schwankungen, auf die wir keinen Einfluss haben. Manchmal haben wir einen Ansturm der 16- bis 17-Jährigen, dann wieder melden sich überwiegend volljährige Patienten. Im Durchschnitt rund 40% unserer Patienten in der Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen sind minderjährig. Dieser Tatsache haben wir durch die Einführung eines eigenen familientherapeutischen Behandlungsangebots für diese Altersgruppe bereits Rechnung getragen. Zudem haben wir ein pädagogisches Konzept erarbeitet, das unseren minderjährigen Patienten mehr Anleitung, Hilfe und Unterstützung im Alltag bieten soll. Dieses Konzept befindet sich gerade in der Abstimmung mit dem Jugendamt.

 

 

Bildnachweis: Christin Büttner

Über die Autorin

Anonym, 17 Jahre, damals Patientin der Stabilisierungsphase